Damit Bayern Heimat bleibt – Flächenfraß Thema bei den Grünen

Am Montag, den 13.11., widmeten sich die Rosenheimer Grünen bei ihrer monatlichen Ortsversammlung dem Thema Flächenfraß. Martin Knobel, Landtagskandidat für den Stimmkreis Rosenheim-West und Vorsitzender der Rosenheimer Stadt-Grünen, warnte vor der Zerstörung der bayerischen Landschaften durch ungezügelten Bauwahn und stellte das Volksbegehren zu dessen Eindämmung vor. Franz Lukas, Vorsitzender der grünen Stadtratsfraktion, beschrieb die Situation im Stadtgebiet.

Die bayerischen Grünen haben gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und der ÖDP ein Volksbegehren initiiert, mit dem Ziel, den Flächenneuverbrauch in Bayern auf fünf Hektar pro Tag zu begrenzen. Dies sei laut Knobel notwendig, da bisher jeden Tag mehr als die doppelte Fläche dem Bagger zum Opfer falle und von der CSU kein Umlenken zu erwarten sei. „Die CSU propagiert Heimatliebe, aber lässt zu, dass 13 Hektar eben dieser Heimat tag täglich dem Bauwahn zum Opfer fallen. Für Discounter auf der grünen Wiese und vermeintlich prestigeträchtige Straßenbauten ohne Sinn und Verstand,“ so der Landtagskandidat. In versiegelten Natur- und Ackerflächen könne kein Regenwasser mehr versickern, wodurch die Hochwassergefahr steige. Außerdem fänden Tiere und Insekten nicht mehr ausreichend natürlichen Lebensraum. „Ich bin sehr froh, dass es mittlerweile wissenschaftlich fundierte Belege gibt, dass wir es mit einem erheblichen Rückgang der Insektenpopulation zu tun haben. Jetzt ist es allerhöchste Zeit zu handeln, denn ohne Bienen, Schmetterlinge und Co. werden wir ziemlich blöd aus der Wäsche schauen.“

Donut-Effekt und Anbindegebot

Eine Negativfolge, die Knobel besonders hervorhebt, ist der sogenannte Donut-Effekt. Dieser beschreibt das Phänomen, dass sich Gewerbe zusehends an den Stadt- und Gemeinderändern ansiedelt, wodurch die Ortskerne immer mehr entvölkern. Die Zentren dünnen aus, während sich die Ränder ausdehnen. Dies befördere zudem den motorisierten Individualverkehr, da für jede Besorgung das Auto benötigt werde. „Fußläufiges Einkaufen war einmal. Bäcker, Metzger und kleinere Läden in Innenstadtlage haben das Nachsehen. Von Menschen ohne Auto ganz zu schweigen.“

Besondere Kritik übt Knobel an der kürzlich erfolgten Umschreibung des Landesentwicklungsprogramms und der damit verbundenen Aufweichung des Anbindegebots. Nun sei es für die Kommunen noch einfacher, Gewerbegebiete zu bauen, selbst ohne direkte Anbindung an das Stadtgebiet. „Bedenkt man die Leidenschaft, mit der Heimatminister Söder sich am Anbindegebot vergeht, entlarvt er sich als beispiellosen Etikettenschwindler,“ kritisiert der Kandidat für Rosenheim-West.

Keine Ausnahme in Rosenheim

 Franz Lukas bestätigt die bayerische Situation für das Rosenheimer Stadtgebiet und kritisiert Projekte wie das geplante Nahversorgungszentrum bei Westerndorf St. Peter, die Gewerbegebiete „Am Oberfeld“ oder in Brucklach. Die grüne Stadtratsfraktion möchte sich aber nicht als ideologische Blockierer verstehen. So sei beispielsweise die Bebauung der BayWa Wiese eine Planung, die durchaus befürwortet werden könne, vor allem vor dem Hintergrund, dass dort durch die Stadt Wohnungen geschaffen werden. Besonderes Potenzial sieht Lukas in der Nutzung innerstädtischer Brachflächen.

Keine Bedrohung für das Wohnraumangebot

Die im Volksbegehren geforderte Grenze von maximal fünf Hektar pro Tag orientiert sich an der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, die eine bundesweite Deckelung von 30 Hektar täglich vorsieht. Die bayerische Zahl entspricht dem Vorschlag der Kommission für Bodenschutz beim Umweltbundesamt, die einen Schlüssel für alle Bundesländer errechnet hat. Die Aufteilung nach Kommunen soll anhand anerkannter statistischer Kriterien erfolgen, wie beispielsweise die Bevölkerungsstärke gestaffelt nach Größenklassen. Eine Gefahr für das Wohnraumangebot sehen die Grünen dadurch nicht gegeben. Wenn nur die Hälfte für den Bau von Wohnungen genutzt würde, könnten jährlich weit über 100.000 Wohnungen in Bayern errichtet werden. Derzeit seien es gerade einmal halb so viele, bei gleichzeitig weitaus höherem Flächenverbrauch.

 

 

Pressekontakt:

Martin Knobel

Vorstands- & Pressesprecher

Bündnis 90/Die Grünen Ortsverband Rosenheim

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