Eine Frage der Prioritäten – Rosenheimer Verkehrspolitik

 

Am Montag, den 16.10., widmeten sich die Rosenheimer Grünen bei ihrer monatlichen Ortsversammlung der Verkehrssituation in und um Rosenheim. Als Experten teilten Jürgen Stinzing, Verkehrsplaner und Fahrradbeauftragter der Stadt, Ingmar Töppel, Geschäftsleiter des Rosenheimer Stadtverkehrs, und Mario Stürzl, Kreisvorstand des ADFC, Ihre Einschätzungen zur aktuellen Lage.

Verkehrspolitik spielt eine bedeutende Rolle für die Arbeit der grünen Stadträtinnen und Stadträte. Zahlreiche Anträge gingen allein in der laufenden Legislatur ein, alle mit dem Ziel, die angespannte Verkehrssituation in Rosenheim zu verbessern. Dabei verfolgt die Fraktion das Ziel, die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs zu brechen und Alternativen wie Fahrrad, Bus und Bahn einen höheren Stellenwert einzuräumen. „Rosenheimer Verkehrsplanung hat seit jeher das Auto als oberste Priorität. Das Resultat dieser Jahrelangen Einseitigkeit sind verstopfte Straßen, zu wenig Radwege und teils gefährliche Verkehrsverläufe für für den Fahrradverkehr sowie mangelnde Dichte des öffentlichen Nahverkehrs“, beschreibt Franz Lukas, Vorsitzender der Grünen Stadtratsfraktion, die Situation.

In den letzten Jahren schnitt Rosenheim mit Plätzen im hinteren Drittel konstant schlecht im ADFC Fahrradklima-Test ab und das obwohl in den 1980er Jahren 5,5 Millionen Deutsche Mark in den Ausbau des Radwegenetzes investiert wurden. Dies geschah im Rahmen des Modellversuchs „fahrradfreundliche Stadt“, für den aus 130 Bewerbungen Rosenheim als eine von zwei Städten gewählt wurde. Dreißig Jahre später besticht das Rosenheimer Radwegenetz vor allem durch große Lücken und Unterschreitung der Mindestbreite bei mehr als der Hälfte der Radwege. Der Anteil des Fahrrads im Verkehrsmix ist wieder unter 20 Prozent gefallen. Dabei diagnostizieren Experten wie der promovierte Ingenieur Reinhold Baier, der maßgeblich am Rosenheimer Verkehrsentwicklungsplan mitgearbeitet hat, der Stadt eine ausgezeichnete Ausgangslage, um diesen erheblich zu steigern. Für mehr Attraktivität und Sicherheit beim Radfahren bräuchte es laut Verkehrsplaner Jürgen Stinzing vor allem Paradigmenwechsels bei der Bewertung der Verkehrsmittel und dementsprechend einiger Maßnahmen:

  • Sichere, direkte Führung des Radverkehrs in Hauptverkehrsstraßen
  • Ergänzende Routen in verkehrsarmen Straßen und Grünanlagen
  • Radfahren im Blickfeld des Autofahrers, z.B. direktes Linksabbiegen
  • Fahrradstraßen, durchlässige Sackgassen und Einbahnstraßen

 

  • Exemplarische Auswahl der verkehrspolitischen Anträge der grünen Stadtratsfraktion:
  • Schutzstreifen für Radfahrer auf der Fahrbahn der Innstraße bis zum Kreisverkehr am Ludwigsplatz und Fahrradständer an geeigneter Stelle. Verkehrliche Ordnungsmaßnahmen im genannten Abschnitt, um verkehrliche Beeinträchtigungen durch haltende oder parkende Fahrzeuge am Straßenrand zu vermeiden.
  • Umgestaltung des Verkehrsknoten Heilig-Geist-Straße – Herbststraße im Zuge der Sanierung des Herderbaches und der damit verbundenen Bautätigkeit zu einem Kreisverkehr.
  • Erarbeitung und Umsetzung eines Maßnahmenkatalogs in Abstimmung mit den lokalen Einzelhändlern und deren Interessenverbänden, um das Einkaufen mit dem Fahrrad in Rosenheim attraktiver zu gestalten.
  • Beitritt der Stadt Rosenheim zur „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern“.
  • Errichtung eines Radweges beim Neubau der Bahnüberführung in der Kufsteiner Straße.
  • Erstellung eines Konzepts für einen Fahrradschnellweg ins Mangfalltal, ausgehend von der Innenstadt und mit Einbeziehung der geplanten Fahrradbrücke. Bewerbung beim bevorstehende Bundesprogramm zur Förderung von Fahrradschnellwegen.
  • Schaffung eines Stabsstelle für Mobilitätsmanagement in der Verwaltung.

 

Pressekontakt:

Martin Knobel

Vorstands- & Pressesprecher

Bündnis 90/Die Grünen Ortsverband Rosenheim

E-Mail: ortsverband@gruene-rosenheim-stadt.de

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www.gruene-rosenheim.de

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