Franz Opperer: „Kommentar zum Nahverkehrsplan der Stadt Rosenheim“

„Die Bereitstellung und Organisation eines öffentlichen und privaten Nahverkehrs (= ÖPNV) zählt nicht zu den Pflichtaufgaben einer städtischen Verwaltung, sondern ist eine rein freiwillige Aufgabe. Auf dieser Freiwilligkeit scheint sich die Stadt Rosenheim die letzten Jahre ausgeruht zu haben. Das Thema wurde schlichtweg nicht ernst genommen und der Nahverkehrsplan 14 Jahre lang ignoriert. Seit Jahren setzt sich unsere Fraktion für einen stärkeren ÖPNV ein. Jetzt, wo das Thema auch zunehmend in der Öffentlichkeit diskutiert wird, beschäftigt sich auch der Stadtrat damit. Es wird höchste Zeit!

Unsere Forderung ist daher zum einen, dass der Zuwachs des ÖPNV mindestens dem Zuwachs der Bevölkerung entspricht, damit der prozentuale Anteil am Stadtverkehr nicht abnimmt. Ein zweiter Fokus gilt dem Angebot allgemein: Für eine lebhafte Stadt wie Rosenheim ist ein funktionierender Nahverkehr am Wochenende absolut entscheidend – nicht nur für Jugend, sondern auch für Rentner und Senioren. Das Anruf-Sammeltaxi kann diese Herausforderung alleine nicht stemmen. Die Barrierefreiheit aller Verkehrsmittel ist uns hierbei besonders wichtig. Angestrebt wird von uns ein Rosenheimer Verkehrsverbund, ähnlich dem Münchner Verkehrsverbund. Ein einheitliches Erscheinungsbild und ein einheitliches Fahrkartensystem, das kompatibel und verknüpft ist mit anderen Verkehrsanbietern wie der Bahn, sind hierbei zwei wichtige Ziele der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Und jetzt gilt es ganzheitlich zu denken. Der Effekt eines ausgereiften ÖPNV-Systems zerfällt, wenn sich der Bus am Morgen und Abend in den Berufsverkehr einreiht und Teil des täglichen Staus wird. Hier muss sichergestellt werden, dass der Bus bevorrechtigt fahren kann– die Auflösung der Busspur in der Innstraße konterkariert dies natürlich. Außerdem empfehlen uns sämtliche Verkehrsexperten seit Jahren eine einheitliche und funktionierende Parkflächenbewirtschaftung – Geld, das im Idealfall wiederum dem ÖPNV zur Verfügung gestellt wird. Die Fahrt mit dem Bus muss also nicht nur einfacher und schneller werden, sondern auch günstiger.

Um all diese Herausforderung angehen zu können, braucht die Stadt Rosenheim außerdem ein sog. Verkehrsmanagement, welches die in Rosenheim anstehenden Verkehre erfasst, organisiert und in die richtigen Wege leitet. Vor allem im Berufsverkehr können wir hier wirkungsvolle Maßnahmen treffen. Ein mögliches Bespiel wäre eine Zusammenarbeit mit mitarbeiterstarken Firmen. Durch die Schichtarbeit fällt tagtäglich der Verkehr zur gleichen Zeit an – perfekte Voraussetzung für Einzelmaßnahmen wie beispielsweise einen Werksbus. Vor allem in Stoßzeiten müssen die Straßen zwischen den Hauptverkehrspunkten vorrangig den Bussen, Taxis und Fahrrädern zur Verfügung stehen.

Die Ideen und Chancen sind vielfältig – lasst uns dafür sorgen, dass diese nicht im Stau verpuffen!“

Franz Opperer
Kandidat für das Amt des Bürgermeisters

Verwandte Artikel