Kulturelle Vielfalt fördern und erhalten

Logo OV Ro

Grüne Ortsversammlung über Kultur in und um Rosenheim.

Am Montag vergangener Woche luden die Rosenheimer Grünen Vertreter kultureller Einrichtungen aus Stadt und Landkreis zum Gespräch über Chancen und Probleme hinsichtlich des Kulturangebots in und um Rosenheim. Teilnehmer waren: David Schweiger, Geschäftsführer der Asta Kneipe, Hedwig Hanus vom Kulturforum Rosenheim, Horst Halser, ebenfalls Kulturforum und Stadtrat der ÖDP, Christian Poitsch, Vorsitzender des Kulturforums sowie Christian Hlatky von der Sozialen Stadt und Peter Weigel vom Kunstverein Rosenheim und Grüner Stadtrat.

Der Zugang zu kultureller Bildung müsse für alle – unabhängig des Alters, des Geschlechts, des Einkommens oder der Herkunft – gewährleistet sein und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen seien seitens der Kulturpolitik zu schaffen, so die Grüne Stadträtin Judith Kley-Stephan einleitend. Gemäß Grünem Verständnis sei Kultur allerdings mehr als nur passives Konsumieren. Es handele sich dabei vielmehr um eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zur Stärkung sozialer Kontakte und dem Entgegenwirken von Vereinsamung.

Hauptproblem Raummangel

Im Laufe des Gesprächs stellte sich schnell heraus, dass nicht der mangelnde Wille seitens der Kulturschaffenden Grund für kulturelle Defizite in Stadt und Landkreis sind, sondern vielmehr die mangelnde Unterstützung seitens der Politik. Vor allem das Raumproblem überwiege hier. Für engagierte Musiker sei es beispielsweise äußerst schwierig bezahlbare Räumlichkeiten für Konzerte zu finden. Die Saalmieten seien hoch und die Chance auf finanzielle Förderung gering, so Hedwig Hanus. Christian Poitsch sieht den Grund hierfür in einem etwas paradoxen Problem. So gehe es Rosenheim und dem Umland wirtschaftlich sehr gut. „Die Leute hier verfügen über finanzielle Mittel und können es sich daher leisten, Kultur zu konsumieren. An sich passiert hier kulturell daher schon recht viel.“. Die wirtschaftliche Stärke der Region sei allerdings auch schuld an der Raumproblematik, da eine stabile Nachfrage herrsche, Immobilienpreise dadurch stetig stiegen und kaum Leerstand vorzufinden sei. „Es gibt einfach keinen zeitlich nutzbaren Raum für Konzerte oder Ausstellungen.“, so der Vorsitzende des Kulturforums. Auch Peter Weigel sieht dieses Problem und die Lösung dafür in der Errichtung eines Kulturhauses, das sich in städtischer Hand befinden könne und allen Kulturschaffenden offen stünde. Zudem solle auch das KuKo die einheimische Szene mit gezielten Programmen besser fördern und so seiner einstigen Bestimmung als „Halle für Alle“ gerecht werden. Die Vorschläge des Grünen Stadtrates fanden bei den Gesprächsteilnehmern letztlich breite Zustimmung.

Geringe Eigeninitiative seitens Stadt und Landkreis

Ein weiteres Problem, das sich der Kulturlandschaft hier stelle sei das allgemeine Desinteresse seitens der Politik für die lokale Künstlerszene. David Schweiger kritisiert, dass die Stadt bei der Organisation von Veranstaltungen wie beispielsweise dem Rosenheimer Sommerfestival grundsätzlich ansässige Künstler und Künstlerinnen übergehe und diesen dadurch kaum die Möglichkeit geboten werde, an die Öffentlichkeit zu treten. Auch für Hedwig Hanus liegt hier ein Problem. Ihrer Erfahrung nach würden sich die Rosenheimer Musiker und Musikerinnen viel lieber voll auf die Musik konzentrieren können. Dies sei aber nicht möglich, da aufgrund der mangelnden Initiative seitens Stadt und Landkreis Konzerte größtenteils selbst zu organisieren sind, was mit sehr viel Aufwand verbunden ist.

Zu wenig Geld für Kultur in sozialschwachen Stadtteilen

Für Christian Hlatky liegt das Problem hingegen in der mangelnden finanziellen Unterstützung. Die Soziale Stadt bietet den Bewohnern der sozialschwächeren Stadteile die Gelegenheit für kulturelles Schaffen. Anfangs konnte man durch die finanzielle Förderung durch Bund und Stadt vieles auf die Beine stellen. Nachdem der Anteil des Bundes jedoch weggefallen ist und die Stadt nicht gewillt war, einen höheren Beitrag zu leisten, gestalte es sich zusehends schwer ein adäquates Angebot zu realisieren. Horst Halser fasst das ganze Gespräch letztlich prägnant zusammen: „Rosenheim bezeichnet sich gerne als Kulturstadt, aber wenn es darauf ankommt passiert einfach nichts.“.

 

Verwandte Artikel