Offener Brief: wir beenden den Wahlkampf zur Stichwahl wegen Corona!

Liebe Rosenheimerinnen, liebe Rosenheimer, 

in diesen unsicheren und verstörenden Zeiten wende ich mich heute mit einem Brief an Sie, weil wir gestern eine grundlegende Entscheidung getroffen haben:

Wir von Bündnis 90 / Die Grünen werden den Wahlkampf für die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters von Rosenheim nicht weiter fortsetzen. Zur Stichwahl werde ich allerdings selbstverständlich trotzdem antreten‭!‬

Die Inhalte und Themen meiner Kandidatur sind bekannt und können jederzeit online (www.franz-opperer.de) oder in Flyern nachgelesen werden. Hinter diesen Themen stehe ich nach wie vor und bin fest entschlossen, diese als Oberbürgermeister zusammen mit dem Stadtrat umzusetzen. Jetzt möchte ich für Rosenheim allerdings keinen Kampf um Bürgerstimmen führen, sondern die Kräfte bündeln für die Geschlossenheit im Umgang mit der Corona-Krise und für denZusammenhalt der Stadtgesellschaft. Lassen Sie uns wieder enger zusammenrücken und gemeinsam einstehen für Solidarität, Zuversicht und den Mut, uns gemeinsam den kommenden Herausforderungen zu stellen.

Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus werden auch Rosenheim mit voller Wucht treffen.

Der heimischen Gastronomie fehlen die Besucher, die Hotels leiden unter der massiven Stornierungswelle, die Urlaubssaison bleibt gänzlich aus, Museen schließen, Veranstaltungen werden ersatzlos abgesagt. Der Einzelhandel leidet jetzt schon massiv unter den verordneten Schließungen der Läden, das Handwerk spürt den drastischen Einbruch der Aufträge bereits heute. Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß, der gewohnte Alltag findet derzeit nicht statt. Kinder dürfen nicht in den Kindergarten und in die Schule. Eltern müssen den Spagat zwischen Job und Betreuung neu organisieren, vor allem diejenigen, die nicht im Home-Office arbeiten können, weil sie wichtige Tätigkeiten im öffentlichen Dienst, im Gesundheits-, Pflege- oder Versorgungssektor ausüben. Berufsgruppen wie Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen, Polizist*innen oder der Lebensmittelhandel sehen sich gleichzeitig mit einem unglaublichen Arbeitspensum konfrontiert. Ihnen gilt mein besonderer Dank, und ihnen gebührt unsere Solidarität – denn ihr Einsatz ist die Grundlage unseres Gemeinwesens und bildet die Stütze unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Mein Appell an Sie:
Um die Krise zu managen und um möglichst gut durch diese schweren Zeiten zu kommen, bitte ich Sie darum, folgende Maßnahmen zu ergreifen:

  1. Bleiben Sie wenn immer möglich zu Hause, achten Sie auf die Empfehlungen zur Hygiene und tun Sie alles, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.
  1. Informieren Sie sich nur bei seriösen Quellen und Medien über die Pandemie. Es sind viele Falschmeldungen unterwegs – insbesondere in den sozialen Netzwerken. Panikmache und Fake News helfen niemandem und verschärfen unsere Krise nur noch mehr.
  2. Bleiben Sie im Kontakt mit allen Menschen, die Ihnen wichtig sind und unterstützen Sie diejenigen, die krank, schwach, alt oder einsam sind. Achten Sie in diesen schweren Zeiten auf Ihr Umfeld. Bieten Sie Hilfe an bei der Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs und seien Sie für einander da – gerade jetzt!
  3. Für geplanten Konsum und Investitionen warten Sie auf eine Beruhigung der Lage. Kaufen Sie ihre Waren anschließend bei den Händlern in Rosenheim und nicht jetzt bei den großen Anbietern im Online-Handel. Der Handel und das Gewerbe unserer Stadt brauchen, wenn alles vorbei ist, jeden Euro und unser aller Solidarität.

Uns allen steht eine grundlegende Veränderung in vielen Lebensbereichen bevor. Die Krise wird uns noch lange beschäftigen und wird uns und unser gewohntes Leben nachhaltig verändern. Bei all der Sorge und den Ängsten, die wir mit dieser Veränderung verbinden, bin ich fest überzeugt, dass wir diese unvermeidlichen Umbrüche auch als Chance nutzen können.

Wir können als Gesellschaft aus dieser Krise lernen.
Zum Beispiel in folgenden Bereichen:

  1. Das Gemeinwesen unserer Stadt muss wieder aufgebaut, belebt und weiter gestärkt werden. Vereine, Verbände und Netzwerke – das merken wir gerade jetzt – sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Sie müssen noch stärker gefördert werden und daran darf nicht gespart werden.
  2. Krisen wird es immer geben. Was sich ändern kann, ist unser Umgang damit. Wir müssen uns besser aufstellen, um der nächsten Krise zu begegnen. Unsere Gesellschaft ist auf flüssige Abläufe ausgerichtet und viel zu oft auf Kante genäht. Da hilft es, solide zu wirtschaften und Krisen vorzubeugen – das gilt auch und insbesondere für die Verwaltung, für gesellschaftliche Strukturen und für den Gesundheitssektor.
  3. Lassen Sie uns konstruktiv mit gesellschaftlichen Veränderungen und Umbrüchen umgehen. Denn sie sind schlicht unvermeidlich.
  4. Noch vor wenigen Wochen wurden etwa die Grünen als „Verbotspartei“ beschimpft, weil sie Einschränkungen und Veränderungen forderten, um das Klima zu retten. Jetzt, wo drastische Einschnitte unumgänglich sind, merken wir, dass wir als Gesellschaft höhere Ziele verfolgen müssen, als Konsum und grenzenloses Wachstum. Veränderungen und behutsame Einschränkungen sind wichtig, wenn wir als Gesellschaft übergroßen Herausforderungen gegenüber stehen.

Wir müssen – so wie wir es auch jetzt tun – viel mehr auf die Wissenschaft hören. Zu lange wurde insbesondere in der Klimapolitik missachtet, was wissenschaftlicher Konsens ist. Lassen Sie uns mehr Vernunft in die Politik bringen und lassen Sie uns vor allem in der Klimapolitik und im Naturschutz wieder mehr an Fakten orientieren, statt an Meinungen und Stimmungen.

Liebe Rosenheimerinnen und Rosenheimer,

jetzt ist nicht die Zeit für Wahlkampf. Jetzt ist die Zeit, zusammenzustehen. Dennoch müssen Sie am 29. März eine Entscheidung treffen. An dieser Stelle will ich Ihnen von Herzen danken. Danke für jede einzelne Stimme, die Sie mir am 15. März gegeben haben. Danke für 22,5%, mit denen Sie mich in die Stichwahl geschickt haben. Danke für über 11.500 Mal Zustimmung zu einer mutigen Politik, zu Lust auf Veränderung und einem bürgernahen Politikstil. Mein Dank gilt auch meiner Frau, meinen Kindern und meiner Familie und natürlich den vielen, vielen Unterstützerinnen und Unterstützern, die dieses Ergebnis erst möglich gemacht haben. Wenn Sie das wünschen, werde ich mich als Ihr Oberbürgermeister mit aller Kraft für diese Stadt einsetzen. Ich habe große Lust darauf, mit Ihnen die Herausforderungen zu meistern und mit Ihnen zusammen Rosenheim zu gestalten.

Ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen und beste Gesundheit für Sie und Ihre Liebsten.

Ihr Franz Opperer

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