Schule als Erlebnisraum für Demokratie

Bildung Thema bei Rosenheimer Grünen.

Rosenheim, 09.04.2017 – Vergangenen Montag, den 03.04., widmeten sich die Rosenheimer Grünen im Rahmen ihrer monatlichen Ortsversammlung dem Thema Bildung. Eike Hallitzky, Landesvorsitzender der bayerischen Grünen, kritisierte während der Veranstaltung im Gasthaus „Mail Keller“ die fehlende Demokratiebildung und den starren Leistungsfokus des bayerischen Bildungssystem.

„Meine Kinder waren in England beide sehr lernbegeistert. Hier waren sie aber nach gerade einmal zwei Monaten nicht mehr motiviert.“ So beschreibt Petra Edwards, Mutter von zwei Söhnen und verheiratet mit einem Engländer, die Entwicklung ihrer Kinder an einer bayrischen Grundschule. Seit dem letzten Schuljahr machen die beiden die gleichen Erfahrungen, wie tausende andere Schüler im Freistaat. Vorher besuchten die Jungen eine Primary School in England. Einem ganzheitlichen und fächerübergreifenden Ansatz jenseits des Ärmelkanals stehen ein vollgestopfter Lehrplan und ständige Leistungsmessung gegenüber. Die Kinder seien gestresst, weil man eigentlich nur auf die nächste Probe lerne, während das englische Belohnungssystem individuelle Leistungen würdige und so Motivation fördere, vergleicht Edwards ihre Erfahrungen.

Für Eike Hallitzky zeigt sich hier das Problem. Obwohl deutsche, insbesondere bayerischen Schülern mehr abverlangt wird, schnitten sie bei letzten PISA-Studie nur unwesentlich besser ab, als ihre Kollegen auf der Insel. Der Landesvorsitzende der bayerischen Grünen ist davon überzeugt, dass Schule die individuellen Stärken der Schüler fördern und ihnen dabei eine kritische Haltung, aber auch Gemeinsinn vermitteln müsse. Bayerische Regelschulen werden dem jedoch nicht gerecht. „Alternative Schultypen können das besser als Regelschulen. Das muss sich ändern.“, so Hallitzky. Er fordert beispielsweise Bewertungssysteme, die individuelle Fortschritte messen, und eine bessere Ausbildung für Lehrkräfte. Auch mehr Ganztagsschulen seien von Nöten, da diese die soziale Mobilität nach oben fördern können. Der Freistaat liefere hier ein besonders schlechtes Bild, da gerade einmal 15 Prozent der Schüler eine Ganztagsschule besuchen, während es im Bundesvergleich immerhin 40% seien. Hallitzky kritisiert hierfür die Christsozialen, die trotz des offensichtlichen Handlungsbedarfs notwendige Reformen verschleppen. „Alle notwendigen Schulreformen unterbleiben, weil die G8/G9-Debatte alles vereinnahmt hat. Und dabei war die CSU jahrelang nicht in der Lage, das zu ändern, was die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger schon sehr lange als nicht tauglich erachtet.“, so der vorsitzende des grünen Landesverbands. Ein neues G9 müsse wirklich neu werden, den Facettenreichtum der modernen Gesellschaft und deren Bedarfe widerspiegeln.

Eine besondere Aufgabe deutscher Schulen sieht Eike Hallitzky in der Demokratiebildung. Doch obwohl das politische Interesse der Schüler stärker ist als früher, finde politische Bildung im bayerischen Lehrplan schlichtweg nicht statt. „Schule muss Werte vermitteln und ein Erlebnisraum für Demokratie sein.“, so Hallitzky. Als Fach aber auch als Querschnitt über den gesamten Schulbetrieb hinweg müsse politische Bildung Demokratie erlebbar machen.

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