Schwierige Standortfrage bei Rosenheimer Notfalltrinkwasserversorgung

Am Montag, den 08.05. widmeten sich die Rosenheimer Grünen dem aktuellen Problem der fehlenden Notfalltrinkwasserversorgung der Stadt. Dr. Götz Brühl, Geschäftsführer der Rosenheimer Stadtwerke, und Steffen Storandt, Vorsitzender der Rosenheimer Ortsgruppe des BUND Naturschutz, referierten im Rahmen der Ortsversammlung zu diesem umstrittenen Thema.

Wie die regionalen Medien berichteten, planen die Rosenheimer Stadtwerke eine Notfalltrinkwasserversorgung für die Stadt aufzubauen. Die in kommunaler Hand befindliche Gesellschaft bemühe sich seit längerem, an der Ostseite des Inns Brunnen zu schaffen, um so den gesetzlichen Vorgaben einer Ersatzversorgung nachkommen zu können. An den bevorzugten Standorten Buchwald und Moosen gebe es weitläufige Grundwassergebiete, die die notwendige Distanz zu den vorhandenen Brunnen im Mangfalltal nahe Willing aufweisen und ebenfalls eine sehr hohe Wasserqualität böten. Die geplanten Brunnen riefen jedoch erheblichen Widerstand aus den Gemeinden Prutting und Vogtareuth hervor. Dort befürchtet man, dass der Hofstätter See und Moorlandschaft „Burgermoos“ durch künftige Grundwasserentnahme erheblich geschädigt werden können. Auch Steffen Storandt teilt diese Befürchtung und fordert, dass die notwendige Ersatzversorgung andernorts umgesetzt werde, sollten sich Schäden an den Naturlandschaften nachgewiesen werden. Grundsätzliche begrüße er jedoch die Ausweisung von Trinkwasserschutzgebieten. Diese stellen eine bedeutende Form des Naturschutzes dar und seien im Bundesvergleich in Bayern und vor allem im Landkreis Rosenheim viel zu spärlich vorhanden.

Den Sorgen des Naturschützers entgegnet Dr. Brühl, dass die Natur tabu sei. „Sollte sich eine unvorhergesehen Situation ergeben, bei der Flora oder Fauna geschädigt würden, dann muss man umgehend einen neuen Standort suchen.“, so der Geschäftsführer. Die Experten der Stadtwerke schließend jedoch aus, dass eine Verbindung zwischen dem Grundwasser und der Naturlandschaft besteht. Hierfür sprächen verschiedene Messergebnisse wie beispielsweise, dass es keinen relevanten Zusammenhang zwischen der Niederschlagsmenge und dem Seespiegel gibt, dieser aber mit dem Grundwasserspiegel bestehe. Zudem weist Brühl darauf hin, dass eine Verbindung die Wasserqualität erheblich mindern würde, wodurch sich die favorisierten Standorte nur mehr bedingt für die Trinkwasserversorgung der Stadt eigenen würden. Rosenheimer Trinkwasser wird lediglich UV-bestrahlt, fließt ansonsten aber unbehandelt aus den heimischen Wasserhähnen. Von Buchwald habe man bei den Stadtwerken bereits Abstand genommen und konzentriere sich nun auf Moosen. Für diesen Standort habe man Vogtareuth und Prutting ein Angebot gemacht: Kooperation beim Brunnenbau über einen Zweckverband, da beide Gemeinden ebenfalls einen neuen Brunnen benötigen. Dort zeigt man sich aber wenig kooperativ und lehnte ab.

Für die Stadtratsfraktion der Grünen ist der zügige Aufbau einer Notfallversorgung ein wichtiges Anliegen und Moosen ein Standort der umfänglich geprüft werden soll. Wenig Verständnis bringe man Prutting und Vogtareuth entgegen, die sich vehement gegen die gemeinsame Erschließung eines Brunnen stemmen. „Wir reden immer von interkommunaler Zusammenarbeit und wenn sich dann mal die Möglichkeit bietet, legt man sich gegenseitig Steine in den Weg.“, so Fraktionsvorsitzender Franz Lukas. Für ihn sei der Trinkwasserschutz die wichtigste Aufgabe für die Zukunft. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, alle Gebiete mit relevanten Trinkwasservorkommen per Gesetz unter Schutz zu stellen. Das sei zukunftsfähiger Naturschutz und Vorsorge für die nächsten Generationen.

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