Stabilität in unsicheren Zeiten

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Genossenschaftlicher Wohnungsbau Thema bei den Grünen.

Bei ihrer Ortsversammlung am 02.05. im Gasthaus „Mail Keller“ widmeten sich die Rosenheimer Grünen dem genossenschaftlichen Wohnungsbau. Hierzu lud der Ortsverband Andreas Pritschet ein, stellvertretender Leiter des Geschäftsbereiches Wirtschaftsprüfung beim Verband bayerischer Wohnungsunternehmen e.V. (VdW Bayern), der Zweck und Vorteile sowie das Vorgehen bei der Gründung einer Wohnbaugenossenschaft aufzeigte.

Gemeinschaftlich, basisdemokratisch und solidarisch

Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts zeigte sich, dass Genossenschaften sich vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einer besonderen Beliebtheit erfreuen. Beispielsweise stieg die Zahl der Neugründungen nach den beiden Weltkriegen erheblich an. Und auch in der jüngsten Zeit, die geprägt ist von rapidem Wandel und Unsicherheit lässt sich eine Zunahme genossenschaftlicher Aktivitäten verzeichnen. „Allein in den letzten drei Jahren konnten wir elf neugegründete Wohnbaugenossenschaften verzeichnen, nachdem es die Jahre davor eher ruhig war“, so Andreas Pritschet über die jüngste Entwicklung allein im Zuständigkeitsbereich des VdW Bayern.

Menschen sehnen sich während unbeständiger Phasen nach Beständigkeit und genossenschaftliche Strukturen scheinen diese bieten zu können. Grund hierfür sind verschiedene Charakteristika, die eine Genossenschaft von anderen Rechtsformen unterscheidet. So ist eine Genossenschaft grundsätzlich gemeinwirtschaftlich organisiert und dient demnach ausschließlich der Förderung der Interessen ihrer Mitglieder. „Wie sich dies genau realisiert hängt dabei von der jeweiligen Art der Genossenschaft ab. Wohnbaugenossenschaften verfolgen zum Beispiel den Zweck, breiten Bevölkerungsschichten bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, präzisiert der Experte. Insofern verfolgen Genossenschaften vorrangig ökonomische Ziele, es gehe aber beispielsweise nicht um Renditenmaximierung durch höchstmögliche Mieterträge, sondern darum, zukunftsfähig zu wirtschaften und dabei die Mietkosten zugleich gering zu halten.

Dabei folgen Genossenschaften basisdemokratischen Strukturen. Jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe der Kapitalbeteiligung. Dies schützt vor der Dominanz Einzelner und sichert die Unabhängigkeit von externen Interessen. Entscheidungen werden nach dem Mehrheitsprinzip auf der Generalversammlung getroffen, wobei Satzungsänderungen einer Zweidrittelmehrheit bedürfen.

Ebenfalls für Genossenschaften spricht deren Insolvenzsicherheit. Aufgrund der internen Kontrolle durch ihre Mitglieder und die unabhängige Prüfung durch den Genossenschaftsverband gelten sie als die mit weitem Abstand sicherste Rechtsform in Deutschland. „Bei uns gab es in der mehr als hundertjährigen Geschichte unseres Verbandes lediglich einen bekannten Fall von Insolvenz, wobei hier aber betrügerisches Handeln mit im Spiel war. Und im Falle des Falles wäre das private Vermögen der Genossenschaftsmitglieder sicher, da diese in aller Regel nur mit ihrem Geschäftsanteil haften“, so Andreas Pritschet.

Herausforderung Genossenschaftsgründung

Bei allen Vorteilen, die eine Genossenschaft bietet, weist der Experte doch auch auf die Herausforderung hin, die eine Gründung mit sich bringt. Gewisses Know-how seitens der Mitglieder – vor allem wirtschaftlicher und rechtlicher Natur – sei grundlegend für eine erfolgreiche Gründung, da mit dem vorhandenen Kapital langfristig gewirtschaftet werden muss. „Keiner hat was davon, wenn nach drei Jahren das ganze Geld aufgebraucht ist und das Projekt noch nicht mal angelaufen ist“, so Wirtschaftsprüfer Pritschet. Doch auch dieses Problem lässt sich – typisch genossenschaftlich – solidarisch lösen. Sich gegenseitig unter die Arme greifen und unterstützen, eigene Fachkenntnisse einbringen und voneinander profitieren um ein gemeinsames Ziel zu verwirklichen.

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